In den letzten Wochen sind so einige Dinge passiert, durch die mir einige interessante Dinge klar geworden sind. Unsere westliche Ideologie hat einige enorme Schwachstellen. Die Dinge die ich aufzähle alle als Paradoxa des Liberalismus über einen Kamm zu scheren ist zwar von der Begrifflichkeit nicht ganz korrekt, ich nehme den Liberalismus aber einfach als pars pro toto für die westliche Werteordnung.

Das erste Paradoxa des Liberalismus ist die Toleranz denen gegenüber die diesen eigentlich ablehnen. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit islamischem Fundamentalismus. Das Problem haben wir genauso mit Links- wie Rechtsextremisten. Das hat sich mir besonders in den Anschlägen von Norwegen gezeigt. Es ist immer wieder ein heikles Unterfangen den Liberalismus nicht zu untergraben und sich gleichzeitig adequat vor Gruppierungen zu schützen die diesen bekämpfen.

Das zweite Paradoxon ist der Rechtsstaat und moralische Empfinden der Menschen. Das ist mir nach dem Urteil im Amtshaftungsprozess im Fall des Kindesentführer Magnus Gäfgen klar geworden. Der Aufschrei in der Bevölkerung war groß, als ein verurteilter Straftäter vom Staat eine Entschädigung zugesprochen bekommen hat. Doch auch ein Straftäter hat immer noch die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen. Und wenn ein Polizist außerhalb des gesetzlich erlaubten Rahmens agiert, auch wenn es gegenüber einem Straftäter ist, dann ist das immer noch ungesetzlich. Das widerspricht sehr stark unserem moralischen Empfinden, aber gerade deswegen haben wir ja ein Justizsystem, damit nicht nach dem subjektiven moralischen Empfinden, sondern nach objektiven Rechtsnormen gehandelt wird. Doch das ist leider einem großen Teil der Bevölkerung vollkommen unverständlich.

Das dritte Paradoxon des Liberalismus ist die Freiheit selbst. Meinem Gefühl nach kann ein großer Teil der Menschen mit der Freiheit nichts anfangen die er genießt. Dieser Punkt ist leider etwas schwer zu erklären. Man könnte ja sagen, dass ich durch das schreiben dieses Artikels selber dieser These widerspreche. Doch es geht nicht um konkrete Einzelfreiheiten die wir nutzen oder nicht. Es geht viel mehr um die Tatsache, dass sich sehr viele Menschen in den Möglichkeiten verlieren. Ein anderes Extremum dieses Problems manifestiert sich in den Krawallen in Großbritannien. Die Menschen haben alle Freiheiten, leben in einem Umfeld in denen es ihnen im globalen Vergleich gesehen durchaus gut geht. Sie haben theoretisch alle Möglichkeiten, doch sie können sie nicht nutzen, sondern nutzen die Freiheiten des annähernd rechtsfreien Raums. Im Vergleich zur großen Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre gab es damals keine solche Ausschreitungen. Der Unterschied war nämlich, dass die Menschen nicht in so einem Freiheitsbewusstsein erzogen wurden. Dieses Freiheitsbewusstsein kann meiner Ansicht nach in einen Autoritätsverlust des Staates umschlagen.

Soviel für den Moment. Vielleicht kann ich einige der hier aufgeführten Punkte noch in weiteren Artikeln etwas ergänzen. Wenn euch noch weiteres dazu einfällt würde ich mich über einen konstruktiven Kommentar freuen.